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30. März 20265 Min. Lesezeit

JTL-Wawi wird teurer: Lohnt es sich noch für kleine Händler?

Ich arbeite seit 2018 mit JTL-Wawi. Für mehrere Kunden, in verschiedenen Branchen, mit unterschiedlichen Anforderungen. Getränkehandel, Farben-Großhandel, Lebensmittel, Onlineshops mit stationärem Geschäft. JTL war für viele dieser Unternehmen die richtige Wahl. Zentrale Warenwirtschaft, Marktplatz-Anbindung, Kassensystem, Versand. Alles aus einer Hand, zu einem Preis, der für kleine Händler machbar war. Dann kam die Preiserhöhung.

JTL-Wawi wird teurer: Lohnt es sich noch für kleine Händler?

Ich arbeite seit 2018 mit JTL-Wawi. Für mehrere Kunden, in verschiedenen Branchen, mit unterschiedlichen Anforderungen. Getränkehandel, Farben-Großhandel, Lebensmittel, Onlineshops mit stationärem Geschäft.

JTL war für viele dieser Unternehmen die richtige Wahl. Zentrale Warenwirtschaft, Marktplatz-Anbindung, Kassensystem, Versand. Alles aus einer Hand, zu einem Preis, der für kleine Händler machbar war.

Dann kam die Preiserhöhung.

Was sich geändert hat

JTL hat sein Preismodell umgestellt. Was früher als günstiges oder teilweise kostenloses System bekannt war, kostet jetzt deutlich mehr. In manchen Fällen ist von einer Steigerung von über 500% die Rede. Innerhalb weniger Wochen, ohne lange Vorankündigung.

Für größere Händler mit 50 oder 100 Mitarbeitern mag das verkraftbar sein. Für einen Händler mit 5 Leuten, der gerade erst angefangen hat, seine Abläufe zu digitalisieren, ist das ein Problem.

Die Frage ist nicht, ob JTL gut ist. JTL ist nach wie vor ein sehr leistungsfähiges System. Die Frage ist: Passt es noch zu Ihrem Geschäft? Und zu Ihrem Budget?

Was ich in der Praxis sehe

Ich betreue Händler, die mit JTL arbeiten. Kein Theoriewissen, sondern Tagesgeschäft. Hier ist, was mir auffällt:

JTL ist stark, wenn man es voll nutzt. Wer JTL-Wawi mit dem eigenen Shop, WMS, Kasse und Marktplätzen kombiniert, bekommt ein Gesamtsystem, das schwer zu schlagen ist. Alles greift ineinander. Wenn ein Kunde bei mir eine Bestellung aufgibt, geht sie automatisch in die Warenwirtschaft, der Lieferschein wird erstellt, die Rechnung geht raus, der Lagerbestand wird aktualisiert. Das spart echte Stunden pro Tag.

Für einen meiner Kunden, einen Farbenhändler mit Großhandels- und Endkundengeschäft, haben wir genau das umgesetzt. Vorher wurden Rechnungen einmal pro Woche von Hand geschrieben. Ob bezahlt wurde, hat man erst Wochen später gemerkt. Nach der JTL-Einführung geht die Rechnung automatisch nach jedem Lieferschein raus, mit QR-Code zum schnellen Bezahlen. Die pünktliche Zahlungsrate liegt jetzt bei über 80%.

Das ist der Wert, den JTL liefern kann.

Aber JTL ist auch komplex. Man braucht einen Windows-Server. Man braucht jemanden, der das System einrichtet, wartet und bei Problemen eingreift. Updates können Dinge kaputt machen. Die Benutzeroberfläche ist nicht intuitiv. Und wenn man nur einen kleinen Teil des Systems nutzt, zum Beispiel nur die Warenwirtschaft ohne Kasse, ohne WMS, ohne eigenen Shop, dann zahlt man jetzt für Funktionen, die man gar nicht braucht.

Nicht jeder Händler braucht JTL. Wenn Sie 30 Bestellungen im Monat haben und Ihre Rechnungen über ein Buchhaltungstool wie SevDesk oder Lexoffice schreiben, dann ist JTL für Sie wahrscheinlich zu viel. Das war vorher okay, weil es günstig war. Aber zu den neuen Preisen muss man diese Rechnung ehrlich machen.

Für wen sich JTL weiterhin lohnt

Aus meiner Erfahrung lohnt sich JTL-Wawi nach wie vor, wenn mindestens drei dieser Punkte auf Sie zutreffen:

  • Sie verkaufen über mehrere Kanäle (eigener Shop, Amazon, eBay, stationär)
  • Sie haben ein Lager mit mehr als 500 Artikeln
  • Sie brauchen eine Kasse, die mit Ihrer Warenwirtschaft verbunden ist
  • Sie haben Mitarbeiter, die im System arbeiten (nicht nur Sie allein)
  • Sie machen mehr als 200 Bestellungen pro Monat

Wenn Sie in dieser Kategorie sind, gibt es wenig Alternativen, die das gleiche Gesamtpaket bieten. JTL ist dann eine Investition, die sich rechnet.

Für wen es sich nicht mehr lohnt

Wenn Sie ein kleiner Onlinehändler sind, der gerade erst anfängt oder unter 100 Bestellungen pro Monat liegt, dann gibt es mittlerweile Alternativen, die günstiger und einfacher sind:

Billbee. Für kleine Händler, die Bestellungen von mehreren Plattformen zentral abwickeln wollen. Einfach, cloudbasiert, bezahlbar. Kann mit Lexoffice und SevDesk verbunden werden.

Xentral. Eine schlankere, cloudbasierte Warenwirtschaft. Gut für Händler, die wachsen wollen, aber noch nicht die Komplexität von JTL brauchen.

Shopify + Buchhaltungstool. Wenn Ihr Hauptkanal der eigene Shop ist und Sie keine tiefe Warenwirtschaft brauchen, reicht oft Shopify mit einer Anbindung an SevDesk oder Lexoffice.

Eigene Lösung. Für Unternehmen mit speziellen Anforderungen (zum Beispiel ein Glas-Konfigurator oder branchenspezifische Abläufe) kann eine maßgeschneiderte Lösung langfristig günstiger sein als ein System, das man um die eigenen Prozesse herum biegen muss.

Keine dieser Alternativen ist "besser" als JTL. Sie sind anders. Und für bestimmte Geschäftsmodelle passen sie besser, vor allem zum neuen Preis.

Die eigentliche Frage

Die Preiserhöhung bei JTL ist ärgerlich. Aber sie ist auch ein Anlass, sich eine Frage zu stellen, die man sich sowieso regelmäßig stellen sollte:

Passt mein System noch zu meinem Geschäft?

Ich sehe oft Unternehmen, die ein System benutzen, das sie vor fünf Jahren eingeführt haben. Seitdem hat sich das Geschäft verändert. Neue Produkte, neue Märkte, mehr Mitarbeiter, andere Abläufe. Aber die Technik ist die gleiche geblieben.

Manchmal ist JTL die richtige Antwort. Manchmal ist es etwas anderes. Und manchmal ist die beste Lösung, das bestehende System besser einzusetzen, statt es zu wechseln.

Was ich empfehle

Wenn Sie gerade vor der Entscheidung stehen, ob Sie JTL behalten, wechseln oder neu einführen, dann machen Sie sich ehrlich:

  1. Rechnen Sie nach. Was kostet JTL jetzt wirklich pro Jahr? Und was spart es Ihnen an Arbeitszeit?
  2. Schauen Sie, was Sie nutzen. Wenn Sie nur 30% der Funktionen verwenden, zahlen Sie für 70% Ballast.
  3. Denken Sie in Jahren, nicht in Monaten. Ein Systemwechsel kostet Zeit und Geld. Aber ein System, das nicht mehr passt, kostet auf Dauer mehr.
  4. Reden Sie mit jemandem, der verschiedene Systeme kennt. Nicht mit einem JTL-Partner, der Ihnen JTL verkaufen will. Nicht mit einem Shopify-Partner, der Ihnen Shopify verkaufen will. Sondern mit jemandem, der Ihr Geschäft versteht und Ihnen ehrlich sagt, was passt.

Genau das mache ich. Ich berate Händler in Österreich, Deutschland und der Schweiz bei der Wahl und Einrichtung ihrer Systeme. Unabhängig von einem Anbieter. Basierend auf dem, was ich in über sieben Jahren Praxis gelernt habe.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Technik Sie bremst statt voranbringt, lassen Sie uns reden. 30 Minuten, unverbindlich.

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